Wär ich nicht ich

Der Hintern zu fett, 
die Wampe nicht besser, 
die Beine - oh wei! - 
könnten wahrlich dünner sein!

Die Schultern zu eckig, 
die Nase zu lang und gen Himmel reckig, 
der Busen zu platt, 
die Ohren zu sehr an den Kopf gepappt!

Oh jemine, oh weh! 
Der Schönheitchirurg muss her!
Muss flicken, muss richten, 
muss die Natur g'rade rücken!
Sonst, du dummes Kind, 
wirste nie im Leben glücklich!

Kinder willse keine, 
oh wei-was ist denn das für Eine!?
Ist bestimmt 'ne verklemmte Jungfer, 
muss nur der Richtige sie mal bumsen, 
dann klappt's auch mit den Kindern!

Geistig wach, und viel zu kompliziert, 
"easy going", Mädel, musste lern'n!
Leichtigkeit und Alkohol, 
das ist deine Zukunft wohl! 
Musste testen, auf zum nächsten Feste! 
- Teste!

Die Ernährung zu kompliziert, 
die Hobbys zu viel und zu schräg, 
die Kleidung zu bunt, 
die Musik zu laut, 
- so eine richtige Arschlochbraut!

Schweigen tut se wie kein andrer, 
meditiert auch noch fröhlich vor sich hin, 
Diplomatie ist ihr gänzlich unbekannt, 
Direktheit und Schnodderschnauze gehen dafür mit ihr Hand in Hand!
- Was sollen die armen Leute da nur denken?!

Die Fenster, die Fenster könnt'se auch öfters putzen, 
und in der Küch', da hat doch neulich 'ne olle Kartoffel
leise ein Liedchen gesummt! 
Kohlrabi und Blumenkohl sangen dann den Refrain dazu! 
- Oh wei, oh wei! Die Welt geht unter!

Ooooh, was soll das nur werden mit dem Mädel, 
zwounddreißig Joahr und soooooo alloah! 
Will keinen, braucht keinen und ist Einzelgänger. 
Ist glücklich damit.
- Oh wei, oh wei. 

Geht allein in Restaurants und ins Kino, 
klettert, reitet, kickt und boxt, schießt und dekoriert,
ist kitschig und romantisch, sensibel und hart 
- kann aber auch anders.
Und der Begleiter der ollen Braut? 
- Ein Rucksack, der sich mit auf ihre Reisen traut!

Oh heißa! Was sie alles wissen, diese
vermaledeiten Besserwisser! 
Doch klug scheißen, das kann ja jeder, 
aber drauf pfeifen, auf all die Besserwisser, 
das kann kaum noch einer!

Wär' ich nicht ich,
wär' ich jemand anders. 
- Ging's mir besser, behaupten all die Besserwisser! - 
Sei's drum was sie schwätzen!
Ich fühl' mich wohl, 
ich will nicht anders, 
nicht ein jeder kann, will und braucht das!

Lasst ihr mich mein Leben leben, 
so wie ich das will, denn am Ende des Lebens
zählt nur, dass du glücklich warst!
Die Meinung der Nachbarn, der Fitnessstudiobesucher, 
und der dicken Krankenschwester, 
juckt dann keinen mehr. 

Deswegen: Fresse halten, weitergehen, 
mich mein Leben leben lassen, 
und selbst auch hin und wieder
mal was wagen!

Sandra dankt und zieht dann mal weiter. 
Auf zum nächsten Abenteuer. 
Ungeheuer jagen - dann wohl 'ne tanzende Tomate!

Weil mir der Kragen nur noch gepflegt platzt. Mit herzlichen Grüßen, Sandra – Ihre Arschlochbraut.

Let’s talk about change #1

Wir Menschen sind Gewohnheitstiere. Viele von uns stehen morgens auf, tapsen im Autopilotmodus in Richtung Bad, klatschen uns wenig lieblos ein, zwei Hände kaltes Wasser ins Gesicht, schminken uns, putzen die Zähne und der Kaffee wird die trockene Kehle husch-di-husch heruntergeschüttet. Zeit zum Atmen und zum Bewusstsein haben – nein – nehmen wir uns nicht. Wir wollen perfekt aussehen und perfekt wach sein um perfekte Leistung im Job erbringen zu können, aber auf das perfekte Frühstück, das ja „nur uns“ dient, verzichten wir gerne. Wir rennen, pausenlos. – WOLLEN wir das wirklich so? Und wenn ja, warum?

#littlereminder #letstalkaboutchange